Antitürkismus
Essay von Literaturpreisträger und Historiker Wolfgang Benz legt nahe, dass Antiamerikanismus rassistisch und dem Antisemitismus gleichzusetzen ist, wobei die jahrzehntelange Hetze gegen das schlichte Feindbild USA wohl auch in Zukunft nicht in Deutschland mit juristischen Schritten und gesellschaftspolitischen Aktionen bekämpft werden wird. Da Historikern zu trauen und folgen ist, sollte auch Antitürkismus nicht rassistisch sein.

Antiamerikanismus: Ami go home!
Antiamerikanismus: “Ami go home!”
Wenn man immer wieder davon liest, wie die USA aus geostrategischen Gründen der EU die Türkei aufdrücken möchte [2002: -> Spiegel Online, 2009 -> Der Westen], dann möchte man in den Chor der linken und rechten Rassisten einstimmen, welche schon seit Jahrzehnten mit dem Slogan “Ami - go home!” [-> Wikipedia] tumben Antiamerikanismus [-> Wikipedia] in Deutschland verbreiten [-> Linkes rassistisches Hetz-Video].
Aber Schoggo-TV möchte sich nicht mit linken und rechten nationalistischen Rassisten auf eine Stufe begeben, zumal sich unser Groll gegen die USA nur auf deren Drängen nach einer EU-Mitgliedschaft der Türkei bezieht und wir uns ansonsten an der Seite der USA sehen - letztlich ist der Betreiber von Schoggo-TV dank seines Großvaters ein stolzer Viertelamerikaner, der sich mit seinem US-amerikanischen Migrationshintergrund nie gegen seine (An-)Verwandschaft in den USA [z.B. -> YouTube] wenden würde.
Nur Literatur: Schlichtes Feindbild USA ~ Antisemitismus
Seit den 68ern [-> Wikipedia] gehört in Deutschland der Antiamerikanismus [definiert als "den Vereinigten Staaten von Amerika, ihrer Bevölkerung, ihren Prinzipien oder ihrer Politik entgegengestellt oder feindlich gesinnt." -> Wikipedia] ja nun zum gepflegten Umgangston rot-grün-brauner PolitikerInnen, ohne dass ein deutscher Staatsanwalt mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung [-> Wikipedia] drohen würde; trotz vieler Aktionen im Kampf gegen Rechts [z.B. -> Wikipedia] ist dieser rassistischer Antiamerikanismus mit seinem schlichten Feindbild USA auch in der Mitte der Gesellschaft längst hoffähig geworden!
Aktuell warnt ein renommierter Antisemitismusforscher, der Berliner Historiker Wolfgang Benz [-> Wikipedia], in einem Essay in der Süddeutschen Zeitung davor, dass schlichte Feindbilder viel mit Antisemitismus zu tun hätten: “Feindbilder bedienen verbreitete Sehnsüchte nach schlichter Welterklärung, die durch rigorose Unterscheidung von Gut (das immer für das Eigene steht) und Böse (das stets das Fremde verkörpert) sowie darauf basierender Ausgrenzung und Schuldzuweisung zu gewinnen ist. Feindbilder, die eine solche Welt beschwören, lindern politische und soziale Frustrationen und heben das Selbstgefühl.” [-> sueddeutsche.de]
Trotz dieser Warnung des hoch dekorierten Wisschenschaftlers Wolfgang Benz, welcher 1992 mit dem Literaturpreis(!) “Geschwister-Scholl-Preis” [-> Wikipedia] ausgezeichnet wurde, wird man Antiamerikanismus gewiss nicht als rassistisch bezeichnen oder gar dem Antisemitismus gleichsetzen und demgemäß juristisch in Deutschland verfolgen: Antiamerikanismus ist legal!

Antitürkismus: Turkey go home!
Antitürkismus: “Turkey go home!”
Zugegeben, sie nervt uns, die Türkei mit “ihrer Bevölkerung, ihren Prinzipien oder ihrer Politik” (s.o. “Antiamerikanismus”), wenn deren Siedler in Deutschland mit “Ehrenmorden” [z.B. -> Bild.de] oder Messerspielen [z.B. -> Polizei Bochum] auffallen, wenn ihre Politiker bei uns zur gesellschaftspolitischen Instabilisierung aufrufen [-> sueddeutsche.de] und hier eigene “Territorien” fordern [-> Welt Online] oder wenn sie unliebsame demokratische Parteien verbietet [-> Zeit Online], dabei auch schon mal Bomben wirft [-> stern.de].
Ja, es gibt Tage, da möchte man deshalb sagen “Turkish go home” (~”Türken raus!”), aber dies hätte gewiß zu recht den Besuch des Staatsschutzes und ein Schreiben eines Staatsanwaltes zur Folge, wäre doch solch eine Foderung offener Rassismus und Volksverhetzung!
Nachdem wir bereits erfahren haben, dass Antiamerikanismus politisch korrekt, dabei ohne rechtliche Folgen ist und dass man literarisch veranlagten Historikern Vertrauen schenken muss, möchten wir nun auf den türkischen Historiker Cezmi Yurtsever [-> Vikipedia, Übersetzung -> Google] hinweisen, welcher 2006 die Hypothese aufstellte, dass Amerika von den Osmanen bzw. Türken entdeckt, besiedelt und gegründet worden sei [-> 20 Minuten, -> Handelsblatt, -> ficks.de]. Na denn: “Turkey go home!”
Abspann: Ernst Busch - “Ami, Go Home!” (1952)
Text: Ernst Busch [-> Wikipedia]
Musik: trad., arr. v. Hanns Eisler [-> Wikipedia]
“Go home, Ami! Ami, go home!
Spalte für den Frieden dein Atom.
Sag: Good bye dem Vater Rhein.
Rühr’ nicht an sein Töchterlein –
Lorelei – solang du singst,
Wird Deutschland sein!”
[Text: -> Erinnerungsort]
Mannheim, den 05.01.2010, 13:27 Uhr.






Schlichte Welterklärung? Wieso fällt mir da sofort das Wort Bundeskanzlerin ein?
Hieß der Begründer der modernen Türkei nicht sogar “Gehmal Antitürk” ?
Spaß beiseite: Benz würde ich nach Lesen einiger seiner Schriften eher auf dem Niveau von Propaganda-Historiker Knopp einordnen. Auf ihn trifft die Bemerkung von Henry Ford “bei mir kann der Kunde sein Auto in jeder gewünschten Farbe bekommen - vorausgesetzt, sie ist schwarz” zu, d.h. mir kommt alles bei ihm sehr einfach und einseitig eingefärbt vor. Wenn man dem Preisverleiher genau nach dem Mund schreibt, schützt das natürlich nicht gerade vor einer Verleihung …
@Karl Eduard
Schlichte Welterklärung? Wieso fällt mir da sofort das Wort Bundeskanzlerin ein?
…vielleicht des FDJ-Sozialisationshintergrundes wegen?
@Gilbert
“Grüß Gott!”, yep, so ist es gemeint, mit ein bisserl Phantasie und Wortspielerei sehe und formuliere ich überall Rassismus, wenn ich solches denn nur will, wobei der akademische Grad beim dummen Volk dann zur Glaubwürdigkeit beitragen soll.
Klar, was Benz sagt und schreibt, ist für Ottonormalo scheinbar “wissenschaftlich erwiesen”. - Seltsam, dass wir da immer Fragezeichen setzen….
@anaximander
Geschichtsschreibung oder Klimawandel…, die zugehörigen “WissenschaftlerInnen” nähren in der Bevölkerung den Boden für die -> Esoterik.
Alle meine Nazi-Vorfahren waren übrigens stramme Anti-Amerikaner. Ich fande das immer bemerkenswert, da selbst der Russenhass dazu als nicht vergleichbar war. Gaben doch die Amerikaner den Mädchen Kaugummis und nützliche Sachen, meist auf freiwilliger Basis, während ein russischer Gangbang in bestimmten Gegenden unausweichlich war. Der Deutsche liebt eben seine Obrigkeit, die ihn schickaniert, den Besatzer, der sich wie Sau benimmt, während er selber sich in Korrektheit (erst völkisch, dann in “politischer Korrektheit” oder dem Weltklima) übt. Was meint ihr, warum eine Vielzahl der Deutschen so auf ihre türkischen Besatzer stehen? Purer Masochismus und nichts haßt der Masochist so sehr, wie die Freiheit.
@ Wilhelm ich dachte da eher an Wahrsagerei
@geisteswelt
Der Deutsche als Masochist, der seine Unterdrücker liebt und ihnen die Stiefel leckt, während er seine Befreier hasst und bekämpft(?) - ich bin gewillt Dir zuzustimmen, allerdings sollten wir für diese Hypothese die Absegnung von Guido Knopp erbitten: “gewillt” und “erbitten”, …mmmh, ich glaube, dass Du recht hast.
@anaximander
Esoterik oder Wahrsagerei, ich mache da keinen Unterschied.
Apfelprost Antiturkeyismus, habe ich doch gerade eine Folge Dr. Who gesehen, wo ein Reiseführer glaubhaft versicherte, die Menschen der Erde führten zu Weihnachten Krieg gegen die Turkey und würden die gefangenen Turkeys essen. Ein barbarisches Ritual, wie er zu Recht bemerkte..