FDP gegen die Zeugen Jehovas
Ein Vertreter der von den Nazis im Dritten Reich verfolgten Zeugen Jehovas soll bei der Gedenkfeier des baden-württembergischen Landtags für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2010 in Freiburg ein Grußwort sprechen, was der in Baden-Württemberg mitregierenden FDP im Zusammenhang mit einer möglichen Anerkennung der Zeugen Jehovas als Körperschaft öffentlichen Rechts so nicht in den Kram passt.

Zeugen Jehovas: Der Wachturm (1916)
All Along the Watchtower
Als “überwiegend harmlos” würde wohl ein allseits bekannter galaktischer Reiseführer die 166.182 in Deutschland lebenden Zeugen Jehovas [-> Wikipedia] bezeichnen, über die so manche Zeitgenossen üble Witze machen [z.B. hier -> Lustigestories.de]. Nie jedoch kämen die christlichen Zeugen Jehovas, welche die Nationalsozialisten als “Bibelforscher” bezeichneten und mit aktiver Unterstützung der Kirchen in Konzentrationslager steckten [-> Wikipedia], wohl auf die irre Idee, dass Spott und Kritik an ihrem Glauben “Jehovasphobie” und in Folge Rassismus sei [vgl. "Islamophobie" -> taz].
Überhaupt sind die Zeugen Jehovas in Sachen Verfolgung durch die Nazis eine recht ruhige und unauffällige Gruppe, die ihre Mitbürger nicht mit Opfermentalität und ständig neuen Forderungen nach Entschädigungen und Entschuldigen nervt. Andererseits wird den Zeugen Jehovas - von den Aktivitäten der Sektenbeauftragten einmal abgesehen - auch kaum öffentliche Aufmerksamkeit zuteil; eine Ungleichbehandlung, die durch das geplante Grußwort eines Zeugen Jehovas bei der kommenden Gedenkfeier des baden-württembergischen Landtags für die Opfer des Nationalsozialismus, bei welchem erstmals(!) gesondert an die NS-Verfolgung der Zeugen Jehovas erinnert werden soll, etwas aufgehoben werden könnte.
Religionsfreiheit à la FDP: Minarette ja, Wachturm nein
Seit einigen Monaten wird in Baden-Württemberg über die Anerkennung der Zeugen Jehovas als Körperschaft öffentlichen Rechts diskutiert, wodurch die Glaubensgemeinschaft den gleichen Status wie die großen Kirchen erhalten würde. Besonders die baden-württembergische FDP-Landtagsfraktion, welche in der Schweizer Minarettentscheidung eine Einschränkung der Religionsfreiheit sieht [-> FDP/DVP Fraktion im Landtag], möchte die rechtliche Aufwertung der Zeugen Jehovas verhindern (”Wenn wir diesen Verein anerkennen, begeben wir uns auf eine abschüssige Piste.”) [Justizminister Ulrich Goll (FDP): -> Bild] und sieht in der geplanten Rede des Zeugen Jehovas bei der Gedenkfeier für die NS-Opfer eine “unglückliche” Planung [FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke: -> Pforzheimer Zeitung und -> Südwest Presse].
Schoggo-TV meint: “FDP und Freiheit? Holzauge sei wachsam!”
Mannheim, den 30.12.2009, 18:22 Uhr.
Bildnachweis
-> Wikipedia - “Der Wachtturm - Titelblatt der deutschen Ausgabe aus dem Jahr 1916″ by Epbechthold






ja, um gottes (autsch) willen nicht anerkennen, liebe fdp. sonst geraten wir hier noch auf eine abschüssige piste. hier in deutschland. wo es seit 30 jahren bergauf geht. dann würde es hier womöglich bald bergab gehen. also quasi , wie auf einer abschüssigen piste.
gut, dass die fdp aufpasst und die bedrohlichsten bedrohungen selektiert. Danke !
ps: hab mir grad das “ähem” wort als abkürzung verkneifen können(eigenselbärschulterklopf)
@ostseestadion
hab mir grad das “ähem” wort als abkürzung verkneifen können
Oh, binde Dir mal keinen sozialistischen Maulkorb um…, wir alle wählen doch die FDP, weil diese Partei für die Meinungsfreiheit steht, gell?
In Sachen Zeugen Jehovas empfehle ich allen LeserInnen die Wikipediaeinträge
-> Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
-> Zeugen Jehovas, In der DDR
Zumindestens ich kannte diese Details bislang nicht.
Wie man dort u.a. lesen kann, würden sich die Zeugen Jehovas nicht als Opfer, sondern als Märtyrer sehen - allerdings als passive Märtyrer, i.e. ohne Bombengürtel u.ä. Selbstmordgeräten.
Ach ist doch immer dasselbe Geseiere bei diesen “Gedenkveranstaltungen”. Ein “Zeuge Jehovas” würde da sicherlich eine nette Abwechselung sein? Als (semi)-christilicher Fundamentalist steht er aber auf der Pfui-Liste der Vorzeigeliberalen und anderen Deutschmarxisten. Nehme an, dieses Jahr wir ein Allesgläubiger der “wahren Religion”, sozusagen als Vertreter der neuen Juden des 21. Jahrhundert, seine mahnenden Worte an uns richten?
Was ich aber eigentlich sagen/fragen wollte: “All along the watchtower”, meinst Du der Text des Liedes paßt hier? Habe mich mal daran versucht, ihn richtig verstehen zu wollen … Worum geht es eigentlich in diesem Lied?
Das ist eben deren Nachteil, daß sie keinen Terror verbreiten, außer höflichen Gesprächen an der Haustür.
Was heißt FDP Freie Demokraten - Wie steht es mit der Relgionsfreiheit. Ich würde es ja verstehen wenn die NPD gegen Jehovas Zeugen wäre.
Hm, ich halte auch nicht viel von den Zeugen Jehovas, die ihren Kids im Notfall Bluttransfusionen verweigern…
@geisteswelt
“All along the watchtower”, meinst Du der Text des Liedes paßt hier?
Oh, ich wollte nur Bezug zum Titel des Liedes selbst nehmen, da der “Watchtower” nicht nur an den “Wachturm” der Zeugen Jehovas, sondern auch an jene in KZs erinnert… .
@anaximander
Zeugen Jehovas, die ihren Kids im Notfall Bluttransfusionen verweigern…
Andere verheiraten ihre Kinder mit neun Jahren!
Mir geht es hier einzig um den asymetrischen Umgang der liberalen FDP mit religiösen Ideologien.
Wie es Karl Eduard oben klar macht, dürfte sich die Haltung der FDP - die hier in Baden-Württemberg übrigens mit dem Zusatz DVP (siehe: -> Demokratische Volkspartei) auftritt - vielleicht schlagartig ändern, wenn die Zeugen Jehovas schlagartige Argumente verwenden würden.
Schoggo, die sind friedlich, die Zeugen Jehovas, sie tragen weder Messer noch Knüppel bei sich. Worte sind ihre Waffen…
Ich selbst gehöre keiner Religionsgemeinschaft an, aber kenne einige Zeugen Jehovas die bisher immer ehrlich und offen über Ihren Glauben mit mir geredet haben. Die Betonung liegt auf ehrlich, aber was die Pharisäer von FDP veranstallten, ist eine Glaubensgemeinschaft zu diffamieren die bekantlicher Weise sich nicht an öffentlichen Diskussionen und Politik beteiligt. So einfach und billig sucht sich die FDP ihre Feindbilder und alles zum Zwecke der Meinungsbildung. Ich hab nur tiefste Verachtung für solche Maßnahmen.