LINKE Mannheim: Gudrun Kuch soll Mandat zurückgegeben

Rätselraten in Mannheim über den Austritt von Stadträtin Gudrun Kuch aus der sogenannten Partei “DIE LINKE” und deren Ratsgruppierung im Gemeinderat Mannheim. Schoggo-TV schockiert mit Reggae und glaubt einen möglichen Grund für die Entscheidungen von Frau Kuch gefunden zu haben.

Babylon System inna Mannheim

Bob Marleys Geburtshaus in Nine Mile

Bob Marleys Geburtshaus in Nine Mile

Rat Race: Politricks nuh good fe di rasta

Über die Jahre sind sie verloren gegangen, die Kieselsteine, welche der Autor 1985 bei einem sechswöchigen Rucksacktrip durch Jamaika am Grab von Bob Marley (1945 - 1981) [-> Wikipedia] in Nine Mile zur Erinnerung an sein Idol eingesammelt hatte. Verloren auch all die Ideen und Träume, welche die Reggaemusik und der damit verbundene Rastakult [-> Wikipedia] in uns Jugendlichen geweckt hatte - naja, fast alle.

“Never make a politician, grand you a favour, they will always want to, control you for ever.”, so Marley in seinem Song “Revolution” (1974) [-> YouTube] - eine Warnung vor dem schmutzigen Geschäft der Politik, welche der Musiker selbst einmal mißachtete, als er 1976 der jamaikanischen Arbeiterpartei PNP die Teilnahme am Friedenskonzert “Smile Jamaica” [Dokumentation auf YouTube: -> Teil1 & -> Teil2] zusagte und wohl deshalb bereits ein paar Tage vor dem Konzert Opfer eines nächtlichen Attentats wurde.
“Political voilence fill ya city, ye-ah! Don’t involve Rasta in your say say; Rasta don’t work for no C.I.A.” (”Rat Race”, 1976 [-> YouTube]), Bob Marley zog sich aus dem “Rattenrennen” der Politik zurück und flüchtete in die USA, aber zeit seines Lebens verfolgte den Musiker der Schock des Attentats: “Ambush in the night, All guns aiming at me; Ambush in the night, They opened fire on me now.” (”Ambush in the Night”, 1979 [-> YouTube]).

Der Autor wurde erwachsen und bewahrte sich einzig den Kiesel mit der Warnung vor der Politik: “We refuse to be, What you wanted us to be; We are what we are: Rebel, rebel!” (”Babylon System”, 1979 [-> YouTube]).

Gudrun Kuch Mannheim Ex-LINKE

Gudrun Kuch (vorne links) sind Fotokameras egal, sie möchte lieber den Menschen zuhören. Für ein Portraitfoto von Sista Mum G das Bild anklicken.

Sista Mum G: Stadträtin mit Herz & Dreads

Gudrun Kuch (49), die Bürokauffrau und verheiratete fünfache Mutter aus der Gartenstadt [Portrait: -> Mannheimer Morgen], die seit 2004 als Stadträtin im Mannheimer Gemeinderat und in ihrer Freizeit als Sista Mum G [-> MySpace] hinter den Keyboards der Reggaeband Royalrambo sitzt, kennt in Mannheim so ziemlich jeder, was gewiss nicht nur an ihren auffälligen Dreadlocks, sondern vor allem an ihrem starken sozialen Engagement liegen dürfte. Egal ob Kinderarmut, Kohlekraftwerk, Nazis oder Stadtbahn Nord [Bild rechts], Stadträtin Sista Mum G ist stets vor Ort und dabei vor allem bei und mit den Menschen. Dass sie keine große Rednerin wie andere PolitikerInnen ist, dies stört die Menschen nicht, ganz im Gegenteil: “Sie ist bei den Leuten und versteht, was die Menschen bewegt und setzt sich für sie ein. Sie wirkt nicht aufgesetzt und kommt ehrlich rüber. Und vor allem hat die Frau eine Meinung, zu der sie auch steht.”, so eine Mitbürgerin auf Facebook über die Teilnahme von Frau Kuch an der Demo gegen die Stadtbahn Nord [-> unser Artikel].

Dreadlock inna Babylon System: Die Partei, die immer Recht hat

Als Spitenkandidatin der, heute nicht mehr existiernden Wählervereinigung “Linke Liste Mannheim”, wurde Gudrun Kuch 2004 erstmals in den Mannheimer Gemeinderat gewählt [-> Stadt Mannheim], wo sie fortan als Einzelkämpferin linke, vor allem aber soziale Politik betrieb. Bei den Landtagswahlen 2006 trat sie für die, damals noch nicht mit der PDS fusionierten WASG im Wahlkreis Mannheim-Nord an, wo sie mit 6,91% der Stimmen nur knapp hinter dem Kandidaten der GRÜNE landete [-> Stadt Mannheim].
Bei den Gemeinderatswahlen 2009 kandidierte Frau Kuch, inzwischen Mitglied der “DIE LINKE”, als Spitzenkandidatin der offenen Liste der “DIE LINKE”, auf welcher sich auch ein Kandidat des ehemaligen “DDR”- bzw. SED-Satelliten, der DKP fand [-> "DIE LINKE" Mannheim] - mithin der Grund, weshalb “DIE LINKE” Mannheim im letzten baden-württembergischen Verfassungsschutzbericht von 2009 auf Seite 249 [-> hier] als linksextremistisch erwähnt wird. Gemeinsam mit dem Genossen Thomas Trüper zog Sista Mum G als zweiköpfige Ratsgruppierung “DIE LINKE” in den neuen Mannheimer Gemeinderat ein [-> Stadt Mannheim].

“Kuch verlässt die Linke”, meldete der Mannheimer Morgen am 1. April 2010 [-> Mannheimer Morgen], blieb seiner Leserschaft aber den Grund für den Parteiaustritt schuldig und teilte lediglich mit, dass Frau Kuch mit Herrn Trüper in einer gemeinsamen linken Ratsgruppierung verbleiben würde.
Ende Juni teilte die “DIE LINKE” Mannheim mit [-> "DIE LINKE" Mannheim], dass Frau Kuch nun auch aus der gemeinsamen Ratsgruppierung ausgeschieden sei, um künftig “Politik aus dem Herzen” zu machen und “für die Gerechtigkeit“ zu kämpfen. “DIE LINKE”, welche auch keine Gründe für den doppelten Austritt von Frau Kuch nennen kann, fordert nun das Mandat zurück, denn die Mannheimer “Wählerinnen und Wähler wollten eine stärkere Vertretung linker Politik”.

Einmal davon abgesehen, dass die Kommunalwahl eine Personenwahl und die Rückgabe des Mandats nur unter besonderen Bedingungen, dabei freiwillig möglich ist [siehe Gemeindeordnung Baden-Württemberg, ebenda: -> § 31 Ausscheiden und -> § 16 Ablehnen], möchten die Wählerinnen und Wähler sicherlich eine linke Politik, aber möchte die Wählerschaft, welche Frau Kuch gewählt hat, auch eine Partei, die möglicherweise kein Herz, sondern nur Kaderdiziplin besitzt?

Video: Kein Reggae, sondern herzlose Musik

Sehr geehrte Frau Kuch,
behalten Sie Ihr Mandat, der Mannheimer Gemeinderat braucht einen Quadratschädel mit Herz & Dreads!

Mannheim, den 09.07.2010, 16:20 Uhr

Bildnachweise

-> Wikipedia - “Bob Marley house in Nine Mile” by David E. Waldron

“Demo gegen die Stadtbahn Nord am 12.06.2010 in der Gartenstadt Mannheim” privat

9. Juli 2010 | Von Wilhelm Entenmann | Kategorie Mannheim & Rhein-Neckar
Tags: , , , , ,

8 Kommentare
Hinterlassen Sie einen Kommentar »

  1. Aufgrund meiner Sozial-liberalen Prägung kann ich wenig mit “Die Linke” anfangen, doch mein persönlicher Eindruck von Frau Kuch kann ich voll unterstreichen! Mannheim braucht Persönlichkeiten im Gemeinderat.

  2. … sorry zu heiß..
    .. doch mein persönlicher Eindruck von Frau Kuch deckt sich mit der Darstellung im obigen Artikel.

  3. Einen Schweizer mutet es seltsam an, dass in Deutschland immer wieder die Rede ist von einem NPD-Verbot und nie, wirklich nie von einem Linke-SED-Verbot. Dabei beißt sich die Katze in den Schwanz

  4. @Lars
    Mannheim braucht Persönlichkeiten im Gemeinderat.

    JA!

    @anaximander
    in Deutschland immer wieder die Rede ist von einem NPD-Verbot und nie, wirklich nie von einem Linke-SED-Verbot.

    Ich wollte dieses Thema (Einseitigkeit bzw. Linksblindheit) hier zwar nicht anschneiden, da es mir ausdrücklich nur um den Mensch Gudrun Kuch ging und geht, aber lese den kurzen Anrisstext über die Reaktion auf das Ergebnis der letzten Gemeinderatswahl im Mannheimer Morgen vom 12.06.2009: -> Entsetzen auf der Schönau über Erfolg der Rechten.
    Anmerkung für Nicht-Mannheimer: Es gelang keiner der dort genannten rechten Parteien der Einzug in den Gemeinderat, “DIE LINKE” hingegen errang 2 Sitze.

  5. Mir als Ausländer sticht dieses Getue um Rechts - was meist nichts anderes als konservativ ist - und das Laissez-faire der Linken auf. Die SED sitzt jetzt im Mannheimer Gemeinderat basta!

  6. @anaximander: Zwischen konserativ und rechtsextremistisch besteht schon ein gewisser Unterschied ;). Und die SED sitzt nun nicht gerade im Gemeinderat, ich bin in der DDR aufgewachsen und weiß wovon ich rede

  7. @anaximander

    “JA!”, was in den 80ern (in Deutschland!) noch als normal konservativ galt, das ist heute “Nazi!”.

    @Stefan

    Oh, ein ehemaliger Bekannter von mir hat das völlig anders gesehen, als er stets vor “DIE LINKE” als SED warnte.
    Naja, kann sein, weil er mal längere Zeit in Bautzen lebte, weil die Leiter, welche er und sein Kumpel auf einem kleinen Laster an die Mauer fuhren, dann vor Ort zu kurz war.

  8. “Die Linke” in den alten Bundesländern empfinde ich eher als ein Sammelbecken für Spinner, Verschwörungstheoretiker und Altkommunisten. Das waren genau die, welche zu DDR Zeiten bequem mit ihrem Hintern im westdeutschen Sessel gesessen haben und den Leuten in DDR erzählten, wie gut sie es doch haben

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Anti-Spam Quiz: