Die Po-Frage oder: Was ist Rassismus?

Der geplante Geschlechtstest der schwarzen Sportlerin Caster Semenya aus Südafrika ruft den Vorwurf von Rassismus hervor, der unter den gegeben Umständen aber nicht haltbar ist. Dennoch ist die Frage, womit man das Motiv Rassismus objektiv erkennen bzw.  ausschließen kann, selbst wenn sich die mutmaßliche Täterin oder Täter frei von einer Intention fühlt, immer dringlicher in einer Zeit, in welcher der Vorwurf von Rassismus immer leichter von der Hand geht und im Fall einer Fehldiagnose immense Folgen haben kann. Die Philosophin Hilal Sezgin stellt im Zusammenhang des GRÜNEN Po-Wahlplakats aus Kaarst eine Behauptung über ein philosophisches Diagnostikum auf, welche vorläufig von Schoggo-TV als widerlegt zu gelten hat.

Voll logisch: Es wird “schwarzes Gold” bleiben!

Caster Semenya, Berlin 2009

Caster Semenya, Berlin 2009

Augenscheinliche Beweise

Breite Schultern, schmale Hüften, flacher Po und ein im ganzen muskolöser V-förmiger Körper, welcher der südafrikanischen Mittelstreckenläuferin Caster Semenya [-> Wikipedia] zum Gewinn der Goldmedaille im 800-Meter-Lauf bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin verhalf, als sie mit ihrer persönlichen Bestzeit von 1:55,45 min die anderen Frauen auf deren Plätze verwies, ließen bei vielen den Verdacht aufkommen, dass die neue Weltmeisterin überhaupt nicht weiblichen Geschlechtes sein könnte und deshalb bei den Wettbewerben der Damen falsch platziert, respektive zu disqualifizieren gewesen wäre, zumal die kurzhaarige Südafrikanerin in Interviews auch durch ihre tiefe Stimme auffiel, was bereits vielen als Beweis für einen Mann in Damenwäsche ausreichte.
Um eine objektive Klarheit über die sportliche Rechtmäßigkeit des WM-Titels und der Goldmedaille zu schaffen, leitete der Leichtathletikweltverband IAAF inzwischen eine Untersuchung zur Feststellung des biologischen Geschlechts der 18-jährigen Caster Semeny ein, was in Südafrika sofort wütende Proteste auslöste, da man in einem Geschlechtstest einen Beweis für Rassismus zu erkennen glaubt [-> Welt Online], wobei alleine die schwarze Hautfarbe der neuen Weltmeisterin als Beweis für ein rassistisches Motiv der Weißen herangezogen und dabei von siegessicheren Sprüchen begleitet wird: “Steckt euch eure wissenschaftlichen Test sonst wo hin. Wir haben die Rassentrennung besiegt und wir werden wieder siegen.”  [-> tagesschau.de].

Mann - Frau

Mann ohne Brüste - Frau ohne Penis

Objektive Entscheidungskriterien

Äußerliche Merkmalsausprägungen sind als Beweis für das Vorliegen des biologischen Geschlechts “Mann” [-> Wikipedia] bzw. zum Ausschluss des Geschlechts “Frau” [-> Wikipedia] nicht ausreichend, weshalb nur ein wissenschaftlicher Test Klarheit über das tatsächliche Geschlecht von Caster Semenya erbringen werden kann.
Sollte sich Caster Semenya biologisch nicht als “Frau” erweisen und ihr der Sieg im 800-Meter-Lauf der Damen [-> Wikipedia] deshalb aberkannt werden, so dürfte der WM-Titel und die Goldmedaille an die bislang zweitplatzierte Läuferin Janeth Jepkosgei Busienei [-> Wikipedia] gehen und damit in “Schwarzafrika” verbleiben, was Rassismus als Motiv für den Geschlechtstest ausschließen dürfte - ausschließen selbst dann, wenn sich Caster Semenya im Test als Frau “beweisen”  würde, denn was könnte ein echter Rassist gewinnen, wenn der Titel und die Goldmedaille so oder so an eine “schwarze” Sportlerin geht(?).

Interessanter ist jedoch die Frage, wie man “Rassismus” [-> Wikipedia] wissenschaftlich, also mittels objektiver Kriterien und zugehöriger Erfassungsmethoden überprüfen, also nachweisen bzw. ausschließen kann, vor allem dann, wenn ein solcher nicht offen - z.B. durch ein “Honky!” [-> Wikipedia]  oder ein doppeldeutiges “Pinky!” [-> Wikipedia] - vorgetragen wird und dabei dem mutmaßlichen “Rassisten” vielleicht nicht einmal selbst bewusst ist.

Voll philosophisch: Es gibt Rassismus!

Knackig

Rubnbump: ''This is a sexy pic of my backside''

Fehldiagnose “Rassismus!” kann schlimme Folgen haben

DIE GRÜNEN in Kaarst [-> BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kaarst] ließen unlängst auf einem Wahlplakat zwei rotlackierte weiße Frauenhände lustvoll fest in einen wohlgeformten schwarzen Frauenpo greifen und übertitelten diesen erotischen Hingucker mit einem “Der einzige Grund, Schwarz zu wählen”  (Untertitel: “Zeit für Grün”), was ihnen umgehend, z.B. vom “Braunen Mob” [-> DER SCHWARZE BLOG], die Vorwürfe Sexismus und Rassismus einbrachte, welche die vermeintlich GRÜNEN Kaarster Sexisten und Rassisten nach kurzer Mediendebatte schließlich zum Entfernen (”selbst zensiert”) [-> ebenda] der Po-Wahlplakate und einer Erklärung gegenüber der Presse veranlasste, in welcher sie alle sexistischen und rassistischen Motive zurückwiesen [-> Welt Online und Video unten].

“Dumm gelaufen”, möchte man im Fall der GRÜNEN aus Kaarst sagen, da sie sicherlich nicht von offenen oder unbewussten sexistischen und rassistischen Motiven zu dem Plakat getrieben worden waren und ihr Fall mit den Plakaten des 1. Paderborner Schoko-Festivals [-> Paderborn Cityportal] zu vergleichen sein dürfte, auf welchen ein farbiges Model als Eva mit Flügeln für die “Himmlische Verführung” und “Süsse Sünde” Schokolade warb und damit ein sexistisch-rassistisches Erdbeben in der Bischhofsstadt auslösten, obwohl die Veranstalter eigentlich eine positive Betonung von farbigen Menschen herstellen wollten [-> unser Bericht].

Woran und mit was kann man das Motiv “Rassismus” objektiv erkennen und somit z.B. den Geschlechtstest von Caster Semenya zu Recht als offenen oder gar unbewussten Rassismus diagnostizieren?
Eine Frage, deren Wichtigkeit mit den gesellschaftlichen und strafrechtlichen Folgen einer möglichen Fehldiagnose “Rassismus” für die als solche bezeichnete “Täterin” bzw. “Täter” gerechtfertigt ist.

Intermezzo: Video mit der Erklärung der GRÜNEN Kaarst zum Po-Wahlplakat

Objektive Kriterien: “Wie hast Du das denn gemessen?”

In Zusammenhang mit dem Po-Wahlplakat fordert die studierte Philosophin Hilal Sezgin [-> Wikipedia] in einem Zeitungsartikel [-> taz.de] von den Kaarster GRÜNEN eine Entschuldigung, da das Plakat, und somit wohl auch dessen Urheber, rassistisch sei - sie schreibt ebenda:

Wie diverse Rassismustheoretiker gezeigt haben und wie zuletzt von der Stuttgarter Philosophin Elisabeth Conradi wunderbar klar herausgearbeitet wurde, gibt es objektive Kriterien, die es ermöglichen, Darstellungen, Äußerungen und Handlungen als rassistisch zu beurteilen. Weder die Intention des Handelnden (”So hab ich das nicht gemeint”) ist dabei ausschlaggebend noch die subjektive Verletztheit des Adressaten. Dieser ist vielleicht an rassistische Verhältnisse gewöhnt, oder er versucht sich nicht beeinträchtigen zu lassen und daher die Wahlplakate am Straßenrand zu übersehen.

Ah ja, “es gibt Kinder, die niemals weinen”, eine Existenzaussage, die so nicht überprüfbar, da nie restlos ausgeschlossen werden kann. Ebenso gibt es objektive Kriterien, mit welchen die Beurteilung von Darstellungen, Äußerungen und Handlungen als rassistisch möglich ist, selbst wenn die Rassistin oder der Rassist diese ohne Intention, also unbewusst in die Welt gesetzt haben sollten.

Aber bitte, gebe man Frau Sezgin eine Chance zur Vorlage der von ihr nicht näher benannten, aber einfach mal behaupteten objektiven “Rassismus-Skala”, auf welcher ihre diagnostischen Aussagen zum GRÜNEN Rassismus GAU in Kaarst beruhen - dabei bitte eine empirisch validierte Skala, die eine Ausschlussdiagnose ermöglicht, von der Hautfarbe der mutmaßlichen “Täterin” bzw. “Täters” unabhängig ist und eine vorurteilsfreie Klärung von angeblich rassistisch motivierten Straftaten gewährleistet [-> Rhein-Neckar-Zeitung via VASUH].

…wir sollten da wohl besser auf das Ergebnis des wissenschaftlich einwandfreien Geschlechtstest von Caster Semenya warten und verweisen im Zusammenhang auf die psychologische Diagnose von Rassismus z.B. auf die validierte “Skala Motivation zu vorurteilsfreiem Verhalten” [-> Universität Bonn: FB Psychologie], deren Autoren keine Kolumnen mit nicht überprüfbaren Behauptungen bei taz.de veröffentlichen.

Mannheim, den 27.08.2009, 19:17 Uhr.

Bildnachweise

[oben] Wikipedia - “Caster Semenya 2009 in Berlin” by Michel Langeveld

[mitte] Wikipedia - Persons: “Naked human male” & “Frau” by Ralf Roletschek & Mattbuck

[unten] Wikipedia -”Naked backside” by Rubnbump

27. August 2009 | Von Kampfkuschler Walther | Kategorie Kultur & Sport
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5 Kommentare
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  1. Hm, ich habe den leisen Verdacht, dass niemand auf die Idee käme, eine Russin, eine Chinesin oder eine Koreanerin auf ihr Geschlecht überprüfen zu lassen….

  2. @animaxander
    niemand auf die Idee käme, eine Russin, eine Chinesin oder eine Koreanerin auf ihr Geschlecht überprüfen zu lassen

    Wenn die drei genannten Personen wie Caster Semenya auch “ungewöhnliche Leistungssteigerung innerhalb nur eines Jahres” (s. Wikipedia bzw. Leichtathletikweltverband IAAF) zu verzeichnen und dabei bzw. damit im Finale gar einer der ersten drei Plätze belegen würden…, sicherlich würde man sie testen.

    Allerdings habe ich den Verdacht, dass man bei einer Russin nie auf die Idee käme, dass hinter einem Geschlechtstest Rassismus stehen könnte, da gegen Weiße nie Rassismus verübt werden kann.

    Egal, ich hätte gerne die validierten Kriterien, mit welchen Rassismus beweisen kann, wie das Hilal Sezgin behauptet.

  3. Hm, ich habe den leisen Verdacht, dass niemand auf die Idee käme, eine Russin, eine Chinesin oder eine Koreanerin auf ihr Geschlecht überprüfen zu lassen….

    Stimmt. Bei Jarmila Kratochvílová hätte man das mal besser tun sollen. Sie hatte äußerlich wenig weibliches an sich, dennoch wurde m.W. nach nie das Geschlecht überprüft.

    Die ganze Geschichte.

  4. NACHTRAG - ERGÄNZUNG
    (Langes) Stichwort: “Rassismus von Schwarzen gegen Weiße darf es nicht geben - und wers behauptet, der ist ein Rassist”

    Weißer Südafrikaner gilt in Kanada als Flüchtling
    Die kanadischen Behörden haben einen weißen Südafrikaner als Flüchtling anerkannt, wie der Anwalt des Mannes am Dienstag bekanntgab. Der Mann hatte erklärt, dass Weiße in Südafrika das Ziel schwarzer Krimineller seien und dass die Regierung nichts unternehme, um sie zu schützen. Die Einwanderungsbehörde befand den Angaben zufolge, dass der Weiße „eher ein Opfer wegen seiner Rasse als ein Opfer von Kriminalität ist“. (…)
    In Südafrika stieß die Entscheidung auf Empörung. Die Behauptungen des Mannes befleckten „den guten Namen schwarzer und weißer Südafrikaner und sind rassistisch motiviert“, erklärte ein Sprecher des südafrikanischen Einwanderungsministeriums.
    Quelle: -> Welt Online

  5. NACHTRAG + AKTUALISIERUNG

    Weltmeisterin Semenya soll ein Zwitter sein

    Zeitungsberichten zufolge soll der Geschlechtstest ergeben haben, dass die südafrikanische 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya ein Zwitter ist. (…) Demnach sei Semenya bei den zahlreichen Tests mit einem dreifach erhöhten Testosteron-Niveau als bei Frauen üblich aufgefallen. Sie habe innen liegende Hoden, keine Eierstöcke und keine Gebärmutter, hieß es. .

    Quelle und Artikel: -> Welt Online.

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