Stadtbahn Nord Mannheim: Stadtbahn Nord Geschichte

Gegner der Stadtbahn Nord Mannheim sammeln in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Gartenstadt e.V. und der Gartenstadt-Genossenschaft Mannheim eG mit dem Fragebogen “Meine persönliche Stadtbahn Nord Geschichte” Stimmen und Meinungen von betroffenen Bürgern zur geplanten Stadtbahn Nord.
Schoggo-TV veröffentlicht den Beitrag “Meine Stadtgeschichte” von Christina Detmers, in welchem sie über den Fragebogen und die Stimmung in der Gartenstadt berichtet.

Stadtbahn Nord Mannheim: Meine persönliche Stadtbahn Nord Geschichte, Fragebogen

Stadtbahn Nord Mannheim: Meine persönliche Stadtbahn Nord Geschichte, Fragebogen

Meine Stadtbahngeschichte

Leider muss ich gestehen, dass ich nur im äußersten Notfall eine Straßenbahn oder einen Bus benutze. 10 Jahre tägliches Straßenbahnfahren haben mich zur Keimphobikerin und Platzangst-Tante werden lassen. Ich fahre lieber Fahrrad und bei weiten Strecken nehme ich das Auto. So, jetzt ist das erst mal geklärt.

An sich habe ich eigentlich nichts gegen Straßenbahnen. Sie sind mehr oder weniger unabhängig vom Verkehr; ist man Single (oder Suchender) bietet sie einen gewissen Flirtfaktor; sie ist bunt; sie quietscht lustig – und wenn man neben den Schienen läuft darf man nicht so viel quatschen, weil dann hört man sie nicht, wenn sie angefahren kommt. Für viele Männer ein nicht zu verachtender Vorteil, wenn Mann mit der Liebsten mal wieder auf Shoppingtour in die Innenstadt muss.
Ergo: Die Straßenbahnen und Busse waren mir in der Vergangenheit - ehrlich gesagt - ziemlich wurscht.

Bis mein Mann diese Umfrage (in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein und der Gartenstadt-Genossenschaft) in Umlauf gebracht hat. Seitdem ist mir die Straßenbahn ganz und gar nicht mehr egal. Weil bei uns nämlich das Telefon nicht mehr still steht. Hat sich der Protest vorher eher in Vorgärten (Schilder) oder im Internet abgespielt, bekommt er nun eine „Stimme“.

„Wenn die Straßenbahn kommt, muss ich sehr weit laufen, weil man mir die Bushaltestelle vor dem Haus wegnehmen wird. Ich bin über 80 und nicht mehr so gut zu Fuß! Des geht doch net, des könne die doch net mache!“ sagt mir eine alte Dame und fügt kämpferisch hinzu: „Aber wenn ich euch helfen kann, dann fülle ich noch 10 solche Bögen aus und ich sag´s auch meinen Nachbarn nochmal, dass die alle mitmachen sollen!“.

Eine Dame (73) regte sich furchtbar auf, weil die Stadtverwaltung sich quasi tot stelle und auch der Mannheimer Morgen nur sehr „tendenziell“ zu diesem Thema berichte. 5 Leserbriefe habe sie schon geschrieben – keiner wurde veröffentlicht.

Da rufen wildfremde Menschen an und bedanken sich für unser Engagement (also nicht nur meines, sondern auch der vielen Mitstreiter, die wir inzwischen haben). Dass sie endlich die Möglichkeit haben, ihre ganz persönliche Meinung und Probleme zur Straßenbahnthematik loszuwerden. Denn die Stadt, die ließe ja alle – Gegner und Befürworter – mit ihrer Informationspolitik im Regen stehen.

Ein rüstiger 73jähriger hat sich extra auf´s Rad gesetzt, klingelt bei uns abends um halb 9 und erzählt mir von seinen Nachbarn „oben“ im Regenbogen, die alle dagegen seien. Unterschriftenlisten will er haben, die würde er mir im Nullkommanix ausgefüllt wieder vorbei bringen. Er sei froh, wenn er etwas gegen diesen Planungsirrsinn tun könne.

Die zentrale Aussage ist aber immer die gleiche: Wie kann man angesichts leerer Kassen, maroder Haushalte ein solch großes Projekt verwirklichen wollen, dass doch eigentlich keiner will? Oder besser, für das es eigentlich keinen dringenden Bedarf gibt. Sicherlich bedeutet die Stadtbahn Nord für andere Stadtteile einen Gewinn – in der Gartenstadt als „Schwanzende“ werden wir nur verlieren. Warum stockt man den Busverkehr nicht auf – bisher hat der doch gut funktioniert und wäre ohne viel Aufwand schnell noch weiter verbessert.

So geht es weiter – man kann es auf www.meine-stadtbahn-nord-Geschichte.de eindrucksvoll nachlesen.

Der Mannheimer Morgen behauptet, es gäbe viel mehr Befürworter als Gegner. Nur trauten sich diese Menschen nicht, ihre Meinung öffentlich zu äußern - aus Angst vor Repressalien und weil die Stadtbahn-Gegner so aggressiv seien.
Warum ist das so? Die Menschen werden aggressiv, wenn sie unsicher sind. Die Hauptschuldige an dieser Aggressivität ist die Stadtverwaltung mit ihrer absolut mangelhaften Informationspolitik. Hätte man von Anfang an mit offenen Karten gespielt, die Menschen umfassend informiert und sich nicht in einem Hau-Ruck-Verfahren verheddert, dann hätte sich die schlechte Stimmung nicht so verselbständigen können. Aber so agiert man ja oft noch nicht einmal in einer gut funktionierenden Beziehung, warum dann in der Politik?!

Der Herr Specht [Anmerk.: Erster Bürgermeister Christian Specht] hat offenbar viel zu tun. Deshalb kann er die Betroffenen nicht informieren (lassen). Auf den offenen Brief hat er ebenfalls noch nicht geantwortet. Offenbar überlegt er sich immer noch eine möglichst schwammige Ausrede für die Frage, warum die Öffentlichkeit so spät erst informiert wurde. Oder hängt er mit seinen Beratern gar schon an der Wirtschaftlichkeitsfrage? Vielleicht erstellt die IFOK [Anmerk.: Beratungsfirma, welche den Dialog zwischen der Bevölkerung und der Stadt Mannheim sowie RNV "moderieren" soll.] auch gerade mal wieder eine schöne Powerpoint-Präsentation… Denn: „wir bringen Ihr Anliegen dem Bürger nahe“- die können das und die haben schon ordentlich Übung damit.

Und unser aller „König“ Kurz [Anmerk.: Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz] schweigt und regiert weiter fröhlich vor sich hin…. Vielleicht sollte ich mein Telefon ja mal auf seines umleiten. Damit er mal ein Bild davon bekommt, wie sich die Menschen vor Ort fühlen – ohnmächtig und hilflos, komplett überrannt von einer „bürgernahen“ Politik.

Mannheim, den 12.05.2010 - gez. Christina Detmers

Linktipp: Meine persönliche Stadtbahn Nord Geschichte

Auf der Seite “Meine persönliche Stadtbahn Nord Geschichte” erzählen betroffene Bürgerinnen und Bürger ihre persönliche Geschichte im Zusammenhang mit der geplanten Stadtbahn Nord. Hierzu wird auf der Seite eine Google Map angezeigt, auf welcher Smileys eingezeichnet sind. Hinter jedem Smiley steckt dabei eine persönliche Geschichte bzw. Meinung, welche eine Bürgerin oder Bürger auf einem Fragenbogen abgegeben hat. Beim Anklicken eines Smileys wird der jeweils zugeordnete persönliche Fragebogen als Bilddatei angezeigt und offenbart die Meinung einer Bürgerin oder eines Bürgers zur Stadtbahn Nord.

Link: -> Meine persönliche Stadtbahn Nord Geschichte

Weitere -> Links zur Stadtbahn Nord Mannheim

Homepages der beteiligten Initiativgruppen

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-> Interessengemeinschaft Stadtbahn Nord

-> Stadtbahnwahn

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-> Eine Stadtbahn Nord in Mannheim ohne Flügel

-> Gartenstadt-Genossenschaft Mannheim eG

Sonstige

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Twitter: -> Mannh Straba

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17. Mai 2010 | Von Wilhelm Entenmann | Kategorie Mannheim & Rhein-Neckar
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